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Virtuelle Besichtigung oder Vor-Ort-Termin: Wann lohnt sich was?

Virtuelle Besichtigung oder Vor-Ort-Termin: Wann lohnt sich was?

Was unterscheidet eine virtuelle Besichtigung von einem klassischen Besichtigungstermin?

Bei einer klassischen Besichtigung kommen Interessent und Makler oder Eigentümer zur selben Zeit am selben Ort zusammen. Der Eindruck entsteht live, der persönliche Kontakt ist unmittelbar. Eine virtuelle Besichtigung dagegen ermöglicht es, eine Immobilie ortsunabhängig und zu jedem beliebigen Zeitpunkt zu erkunden — per 360°-Tour am Smartphone, am Desktop oder mit VR-Brille. Der Interessent bewegt sich durch die Räume, ohne einen Termin zu vereinbaren oder anzureisen.

Beide Formate erfüllen unterschiedliche Funktionen im Vermarktungsprozess. Die Frage ist nicht, welches besser ist, sondern wann welches den größeren Nutzen bringt.

 

Für wen lohnt sich die virtuelle Besichtigung besonders?

Virtuelle Besichtigungen entfalten ihren größten Nutzen überall dort, wo Distanz, Zeitdruck oder eine hohe Objektanzahl den klassischen Besichtigungsprozess ineffizient machen. Makler mit mehreren aktiven Objekten können Interessenten rund um die Uhr eine vollständige Erstbesichtigung ermöglichen, ohne selbst anwesend zu sein. Privatverkäufer gewinnen Reichweite über ihre Region hinaus. Bauträger können Objekte vermarkten, die noch nicht gebaut sind.

Besonders relevant ist das Format für internationale Käufer oder Interessenten, die weite Anfahrten vermeiden wollen. Eine Studie zur Wiener Immobilienwirtschaft zeigt, dass über 86 Prozent der Befragten vor einer Besichtigung online nach der Immobilie gesucht haben. Wer in diesem Moment keine virtuelle Tour anbietet, verliert Aufmerksamkeit an Anbieter, die es tun.

 

Wann ist der persönliche Besichtigungstermin unersetzbar?

Die virtuelle Besichtigung ersetzt den persönlichen Termin nicht vollständig — und das ist auch nicht ihr Ziel. Kaufentscheidungen bei Immobilien sind hochgradig emotional und risikobehaftet. Kein Interessent wird eine Wohnung allein auf Basis einer digitalen Tour kaufen, ohne sie vorher physisch betreten zu haben.

Der Wert der virtuellen Besichtigung liegt in der Vorqualifikation: Sie filtert heraus, wer wirklich Interesse hat und zum Objekt passt. Die Folge sind weniger, aber deutlich zielgerichtetere Vor-Ort-Termine — mit Interessenten, die bereits wissen, was sie erwartet. Für Makler bedeutet das eine spürbare Entlastung im Tagesgeschäft.

 

Lohnt sich die virtuelle Besichtigung auch für günstige oder kleinere Objekte?

Im Bestandssegment werden virtuelle Touren bislang vor allem für hochpreisige Immobilien in zentralen Lagen eingesetzt. Der Aufwand lässt sich dort leichter rechtfertigen. Bei kleineren oder günstigeren Objekten ist die Kosten-Nutzen-Abwägung kritischer zu betrachten.

Anders verhält es sich im Neubausegment: Dort werden virtuelle Besichtigungen und Visualisierungen über alle Preis- und Lagekategorien hinweg eingesetzt, weil sie eine Funktion erfüllen, die kein anderes Medium übernehmen kann — die fotorealistische Darstellung einer Immobilie, die noch nicht existiert.

 

Was spricht gegen den Einsatz virtueller Besichtigungen?

Die Vorteile überwiegen in den meisten Vermarktungssituationen, doch es gibt reale Einwände. Einige Fachleute aus der Immobilienbranche weisen darauf hin, dass eine hohe Zahl digitaler Erstbesichtigungen den persönlichen Kundenkontakt verdrängen kann. Sogenannte Eventualgeschäfte — Abschlüsse, die erst durch den direkten Austausch entstehen — können in rein digitalisierten Prozessen seltener werden.

Hinzu kommt: Eine schlecht produzierte virtuelle Tour schadet mehr als sie nützt. Unzureichende Auflösung, fehlerhafte Panoramaübergänge oder eine unübersichtliche Navigation hinterlassen einen unprofessionellen Eindruck, der auf das Objekt selbst abfärbt. Qualität ist hier keine Option, sondern Voraussetzung.


Welches Format ist das richtige für mein Objekt?

Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: Objekttyp, Zielgruppe und Vermarktungsphase. Für Bestandsimmobilien in mittlerer bis gehobener Preislage ist eine virtuelle Tour als Ergänzung zum klassischen Inserat empfehlenswert. Für Neubauprojekte ist die digitale Visualisierung heute faktisch Standard. Für Privatverkäufer mit begrenztem Budget lohnt zumindest virtuelles Home Staging der Fotos, um die Präsentation zu verbessern.

Die virtuelle Besichtigung ist kein Ersatz für persönlichen Vertrieb — sie ist dessen effizienterer Vorlauf.

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