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Welche praktischen Vor- und Nachteile haben virtuelle Besichtigungen für Immobilienanbieter und Käufer?

Welche praktischen Vor- und Nachteile haben virtuelle Besichtigungen für Immobilienanbieter und Käufer?

Virtuelle Besichtigungen versprechen mehr Effizienz, mehr Reichweite und bessere Kaufentscheidungen. Doch wie sieht die Praxis wirklich aus? Dieser Beitrag beleuchtet die konkreten Vor- und Nachteile — aus der Perspektive von Maklern, Eigentümern und Kaufinteressenten.

 

Welche praktischen Vorteile bieten virtuelle Besichtigungen im Vergleich zur klassischen Immobilienbesichtigung?

Der offensichtlichste Vorteil liegt in der Ortsunabhängigkeit. Eine virtuelle Besichtigung ist per Link zugänglich — vom Smartphone, Tablet oder Desktop, jederzeit und ohne Terminvereinbarung. Interessenten können eine Immobilie in ihrer Mittagspause, abends vom Sofa oder von einem anderen Land aus besichtigen. Für Makler bedeutet das: Anfragen können sofort mit einem Erstbesichtigungslink beantwortet werden, ohne dass Personalzeit eingesetzt werden muss.

Hinzu kommt die Vollständigkeit der Information. Im Gegensatz zu klassischen Fotos, die immer nur ausgewählte Blickwinkel zeigen, bildet eine 360°-Tour den gesamten Raum ab — einschließlich der Stellen, die auf Fotos bewusst ausgespart werden. Interessenten erhalten ein realistischeres Bild der Immobilie und können besser einschätzen, ob ein Vor-Ort-Termin lohnenswert ist.

Ein weiterer Vorteil betrifft bewohnte Objekte: Virtuelle Besichtigungen ermöglichen eine Erstbesichtigung, ohne dass Mieter gestört werden müssen. Gerade bei vermieteten Bestandsimmobilien ist das ein nicht zu unterschätzender praktischer Vorteil für alle Beteiligten.

 

Wie helfen virtuelle Besichtigungen dabei, Zeit und Kosten in der Immobilienvermarktung zu sparen?

Jede Vor-Ort-Besichtigung kostet Zeit: Vorbereitung, Anfahrt, Durchführung, Nachbereitung. Eine Kalkulation auf Basis von Maklergehältern zeigt, dass bereits ab vier eingesparten Vor-Ort-Terminen pro Objekt der wirtschaftliche Break-Even gegenüber den Produktionskosten einer virtuellen Tour erreicht ist. Geht man von durchschnittlich 15 Besichtigungen bis zum Verkaufsabschluss aus, liegen die Kosten einer virtuellen Besichtigung bei rund 25 Prozent der entsprechenden Personalkosten für physische Termine.

Für Interessenten bedeutet virtuelles Staging und digitale Vorabbesichtigung ebenfalls eine Zeitersparnis: Unpassende Objekte werden bereits digital ausgeschieden, ohne dass eine Anreise nötig war.

 

Welche Nachteile und Risiken haben virtuelle Besichtigungen in der Immobilienvermarktung?

Die Risiken sind real und sollten nicht unterschätzt werden. Ein zentraler Einwand aus der Praxis: Virtuelle Besichtigungen können den persönlichen Kundenkontakt verdrängen. Im Maklergeschäft entstehen viele Abschlüsse nicht nur durch das Objekt selbst, sondern durch das Vertrauensverhältnis zwischen Makler und Interessent — ein Gespräch beim Besichtigungstermin, ein spontanes Angebot, ein Gefühl für den Menschen hinter der Anfrage. Diese sogenannten Eventualgeschäfte entstehen seltener, wenn der Erstkontakt ausschließlich digital verläuft.

Ein weiteres praktisches Problem betrifft die Aufmerksamkeit der Nutzer. Eine Konsumentenstudie mit 144 Teilnehmern zeigt, dass ein erheblicher Anteil der Nutzer virtuelle Touren nicht mit voller Aufmerksamkeit verfolgt — insbesondere auf mobilen Geräten. Rund 35 Prozent der Befragten übersahen ein auffälliges Ausstattungsmerkmal der besichtigten Wohnung. Die virtuelle Besichtigung informiert, aber sie garantiert keine aufmerksame Nutzung.

Bei VR-Brillen kommen körperliche Einschränkungen hinzu: Motion Sickness — Schwindel und Übelkeit durch die Diskrepanz zwischen visueller und körperlicher Bewegung — tritt bei einem relevanten Anteil der Nutzer auf, besonders bei Frauen und älteren Personen. Ein Gewöhnungseffekt ist nicht zu erwarten.

 

Welche Qualitätsanforderungen müssen virtuelle Besichtigungen in der Immobilienvermarktung erfüllen?

Eine schlecht produzierte virtuelle Tour ist kein neutrales Instrument — sie schadet aktiv. Fehlerhafte Panoramaübergänge, unzureichende Auflösung oder eine unübersichtliche Navigation hinterlassen einen unprofessionellen Eindruck, der auf das Objekt und den Anbieter abfärbt. Wer virtuelle Besichtigungen einsetzt, muss in Qualität investieren. Das betrifft die Fotoausrüstung, die Stitching-Software, den Tourbuilder und das Hosting der fertigen Tour.

Entscheidend ist auch die Darstellungsqualität auf mobilen Endgeräten, da ein Großteil der Nutzer virtuelle Touren auf dem Smartphone öffnet. Eine Tour, die am Desktop gut aussieht, aber auf dem Smartphone langsam lädt oder schwer bedienbar ist, verliert ihren Wert.

 

Lohnen sich virtuelle Besichtigungen trotz ihrer Nachteile für die Immobilienvermarktung?

Die Gesamtbilanz fällt klar positiv aus — unter einer Bedingung: Der Einsatz muss professionell und strategisch erfolgen. Virtuelle Besichtigungen sind kein Selbstläufer und kein Ersatz für persönlichen Vertrieb. Sie sind ein Werkzeug zur Vorqualifikation, Aufmerksamkeitssteigerung und Reichweitenvergrößerung. Wer sie als Teil eines durchdachten Vermarktungskonzepts einsetzt, profitiert. Wer sie als günstigen Ersatz für echten Vertriebseinsatz betrachtet, wird enttäuscht werden.

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